Landwirtschaft

By Posted in - Blog on April 3rd, 2014 0 Comments

Urbarmachung

Vor genau 100 Jahren ist mit der Kultivierung von Heide- und Moorflächen in Klausheide begonnen worden. Es wurden Flächen aus den benachbarten Siedlungsstandorten in Bakelde, Altendorf und Hesepe sowie aus den Gemeinden Elbergen und Lohne im damaligen Kreis Lingen zum Gutsbezirk Klausheide zusammengefasst. Die Familie Krupp von Bohlen und Halbach verfolgte damals das Ziel, auf den bis dahin noch ungenutzten Böden einen landwirtschaftlichen Großbetrieb aufzubauen.

Die Gebietskarte (Abb. 1) verdeutlicht, dass die damaligen Grenzen weit über den heutigen Bereich der Gemarkung Klausheide hinausgingen .

Abb. 1  Gebietskarte

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Rot: Gutsbezirk Clausheide im Jahr 1914
Blau: Grenze der Gem. Klausheide

Natürliche Standortfaktoren

Der Landkreis Grafschaft Bentheim ist durch die maritim-subkontinentalen Klimaverhältnisse des Flachlandes geprägt. Kennzeichnend hierfür sind relativ kühle Sommer und milde Winter. Die mittleren Jahresniederschläge liegen bei 650 bis 700 mm. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt ca. 8,4 °C. Die Vegetationszeit dauert ca. 220 Tage im Jahr, die Zeit des Pflanzenwachstums reicht damit von Ende März bis Anfang November. Der Wind kommt im Jahresverlauf vorherrschend aus südwestlicher Richtung.

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Abb. 2  Bodenkarte

Bei dem in Klausheide vor-herrschenden Boden (Typ 211) handelt es sich gemäß Bodenkartierung (Abb. 2) des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung um mittlere und feine Sande, die durch Versauerung zur Bildung von Störhorizonten (Podsol) neigen. Das natürliche Ertragspotential ist auf Grund der nur begrenzten Wasserhaltefähigkeit und der schlechten Nährstoffspeicherung als gering zu bezeichnen. Durch die vor 100 Jahren begonnenen Kultivierungsmaßnahmen in Form von Entwässerung, Tiefpflug und
Meliorationsdüngung wurden Acker-flächen geschaffen.

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 Abb. 3  Wasserwirtschaft

Die hydrologische Karte des Niedersächsischen Landesver-waltungsamtes Landesvermessung 1975 (Abb. 3), lässt erkennen, dass es sich bezogen auf das Oberflächenrelief um ein relativ ebenes Gebiet handelt, mit Gefälle in Richtung Westen, zur Vechte. Hauptvorfluter sind die Lee, der Klausheider Graben und der Lohner Bach. Die im Rahmen der Kultivierung entstandene Binnen-entwässerung ist auf den Karten aus dem Jahr 1975 ohne Bedeutung gewesen. Die vorhandenen Vorflutsysteme wurden in dieser Karte nicht dargestellt. Obwohl es sich um ein Niederungsgebiet handelt, ist vermutlich auf Grund der Eigentumsstruktur mit nur einem Besitzer kein Wasser- und Bodenverband in dem Gebiet gegründet worden. Der im Westen angrenzende  Wasser- und Bodenverband Nordhorn-Bakelde ist zuständig für das Einzugsgebiet der Lee und reicht bis an die Straße Schwarzer Weg. Im Osten und im Norden auf dem Gebiet der Gemeinde Wietmarschen ist der Wasser- und Bodenverband Lohne für die Unterhaltung der Gewässer zuständig.

Historie der landwirtschaftlichen Produktion

1951 verkaufte Bertha Krupp von Bohlen und Halbach das Gut Clausheide an die Lochow-Petkus GmbH, die dort bis 1990 unter anderem Pflanzenzucht und Saatgutproduktion betrieb. Es wurde nach verschiedenen Umstellungsphasen seit ca. 1960 viehlos gewirtschaftet. Neben Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps ist seit den 80‘er Jahren fast ausschließlich Getreide angebaut worden.

Diese Historie begründet die für die Grafschaft Bentheim besondere Situation, dass keine alteingesessenen Hofstellen von landwirtschaftlichen Familienbetrieben im Kerngebiet dieser Gemarkung zu finden sind. Eine Besiedlung dieser Räume durch Landwirte, die unter anderem aus dem Stadtgebiet von Nordhorn aussiedelten, erfolgte ab ca. 1930. Erst im Westen, entlang der Wietmarscher Straße, dann im Norden entlang der Grenze zur Gemeinde Wietmarschen sowie später auch im Süden im Bereich „Kuhweide“ der Stadt Nordhorn. Im Gegensatz zum Gutsbetrieb hat sich eine auf Futterbau und Veredlung ausgerichtete Landwirtschaft etabliert.

1990 wurde der Gutsbetrieb eingestellt, die Flächen wurden an eine Reihe Landwirte und Interessenten aus der Region verkauft. Damit werden die landwirtschaftlichen Flächen heute von den umliegenden Höfen bewirtschaftet.

Im Jahr 2004 wurde die Agrarstruktur im Mittleren Vechtetal beleuchtet. Einer von fünf Untersuchungsräumen war der Bereich Nordhorn/Klausheide. Bezogen auf die Grenzen der Gemeinde Klausheide handelt es sich zwar nur um einen kleinen Teilbereich dieses Untersuchungsraumes. Da sich in diesen angrenzenden Räumen die Höfe der heute in Klausheide wirtschaftenden Betriebe befinden, können damit die landwirtschaftlichen Gegebenheiten auch für Klausheide dargestellt werden.

Es wurde festgestellt, dass vor ca. 10 Jahren die mittlere Betriebsgröße im Bereich Nordhorn/Klausheide ca. 50 ha betrug. In den anderen Teilräumen des AEP-Gebietes wurde diese Größe nicht erreicht. Die durchschnittliche Zahl der Arbeitskräfte wurde mit ca. 1,6 AK/Betrieb angegeben.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann ein aus betriebswirtschaftlicher Sicht notwendiges Wachstum nur erreichen, wenn andere Betriebe ihre Produktion einstellen und ihre Flächen anderen Landwirten als Pachtland zur Verfügung stellen. Im Bereich Nordhorn/Klausheide wurde der Anteil an Pachtflächen mit rd. 39 % ermittelt. Die Nutzung der Flächen erfolgt zu über 80 % als Ackerland. Die Hauptfrucht darauf ist Mais, gefolgt von Getreide und Kartoffeln.

Der wesentliche Anteil des in der Landwirtschaft erzielten Einkommens basiert auf der Viehhaltung. Schwerpunkte in der Betriebsausrichtung der im Rahmen der AEP erfassten Betriebe bilden die Bereiche Milchviehhaltung, Rindermast und Ferkelerzeugung. Bei einem Großteil der Betriebe liegt eine Kombination in der Tierhaltung vor, wobei die Geflügelhaltung und die Stromproduktion über Biogasanlagen vor allen in den letzten Jahren hinzugekommen sind. Das Halten von Schafen und Pferden erfolgt in der Regel in kleineren Beständen und wird oft der Hobbynutzung zugeordnet.

Im September 2012 erfolgte die Auftaktveranstaltung für das Niedersächsische Dorferneuerungsprogramm für den Bereich Klausheide und Umgebung. In Gesprächsrunden mit Landwirten aus dem Bereich Nordhorn Klausheide wurde 2013 die aktuelle Situation der Höfe im Bereich Klausheide, Altendorf und Bakelde eingeschätzt. Die Betriebsgrößen bewegen sich danach zwischen 5 ha und 200 ha, wobei heute ca. 2/3 der Betriebe mehr als 50 ha bewirtschaften.

Im Gegensatz zu den Kultivierungsmaßnahmen die vor 100 Jahren aus Ödland Nutzfläche machten, muss die Landwirtschaft heute damit leben, dass sie kontinuierlich einen Teil ihrer Produktionsgrundlage, nämlich landwirtschaftliche Nutzfläche verliert. Gerade in Klausheide sind in den vergangenen 10 bis 15 Jahren Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen worden, um eine Erweiterung der gewerblichen Bauflächen zu ermöglichen. Die Planung der Nordumgehung von Nordhorn hat dazu geführt, dass für das Umfeld der Trasse im Jahr 2008 Flurbereinigungsverfahren eingeleitet wurden. Das Verfahren Nordhorn-Ost umfasst an seiner östlichen Grenze auch einen Teil der Gemarkung Klausheide. Die Ziele aus landwirtschaftlicher Sicht sind: “Das Wege- und Gewässernetz soll so umgestaltet werden, dass die durch den Bau der Nordumgehung entstehenden Nachteile für die landwirtschaftlichen Betriebe zum Teil gemildert oder ganz vermieden werden. Die Erschließung der landwirtschaftlichen Nutzflächen soll nachhaltig gesichert werden“. Die Landwirtschaft vertraut darauf, dass diese Ziele erreicht werden, ohne dass weitere Nutzflächen in großem Umfang aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden müssen.